Reifen unterliegen natürlichen Alterungsprozessen, sie verlieren mit
der Zeit ein wenig an Haftung und Elastizität. Spezielle Substanzen,
die bei der Reifenfertigung eingesetzt werden, verlangsamen diesen
Vorgang. Eine sachgerechte Lagerung kann den Alterungsprozess ebenfalls
herauszögern. Ein Motorrad aber, dass jahrelang abgemeldet war, sollte
im Interesse der Fahrsicherheit neu bereift werden. Aufschluss über das
Reifenalter gibt die DOT-Nummer auf der Reifenflanke.
Auswuchten
Das Auswuchten eines Reifens ist die Voraussetzung für Fahrkomfort und
die Vermeidung von Vibrationen, die das Fahrverhalten beeinträchtigen.
Letztere werden durch eine ungleiche Massenverteilung hervorgerufen.
Gegengewichte an der Felge gleichen die Unwuchten aus, die bei der
Drehbewegung des Reifens entstehen.
Chunking
Fachbegriff für Laufflächen-Ablösung.
Diagonalgürtelreifen
Zusätzliche Gürtellagen über der Karkasse unterscheiden den
Diagonalgürtelreifen vom Diagonalreifen. Die Gürtelkonstruktion hat das
Ziel, die Ausdehnung des Reifens unter dem Einfluss von Fliehkräften zu
begrenzen. Diagonalgürtelreifen werden mit dem Buchstaben "B"
gekennzeichnet, z.B. 160/70 B 17
Diagonalreifen
Der Klassiker: Benannt nach den in der Richtung wechselnden
Karkasslagen mit diagonal ausgerichtetem Fadenwinkel. Bis Mitte der
80er Jahre bestimmten Diagonalkonstruktionen den Motorradreifenmarkt:
Bei leistungsstarken Motorrädern sind inzwischen Radialreifen erste
Wahl. Diagonalreifen erkennt man am Bindestrich in der
Reifengrößenkennzeichnung: z.B.130/80-18.
DOT-Nummer
DOT steht für das
amerikanische "Department of Transportation".
Die DOT-Nummer auf der
Reifenflanke besagt nicht nur, dass der Reifen den US-Bestimmungen
entspricht. Die letzten drei Ziffern geben auch Auskunft über das Alter
des Reifens: Demnach steht ''419'' zum Beispiel für die 41.
Produktionswoche 1999.
Seit dem 01.01.2000 werden die Bauwoche und das
Baujahr eines Reifens vierstellig festgehalten. Das bedeutet, dass die
letzten vier Ziffern der DOT-Nummer Bauwoche und Baujahr des Reifens
vorgeben: "1600" bedeutet also die 16. Woche 2000.
ECE R 75
Seit dem 01. 01.1997 europaweit gültige Norm für Zweiradreifen, die
einige Änderungen hinsichtlich der Bezeichnungen von V-, VB- und
ZR-Reifen beinhaltet.
Einfahren
Die Oberfläche eines fabrikneuen Reifens ist sehr glatt und muss erst
aufgeraut werden, um seine Haftungsqualitäten entfalten zu können. Ein
kontrolliertes Einfahren der gesamten Lauffläche ist deshalb
unerlässlich.
Einzelabnahme
Vorführung beim TÜV, um einen bestimmten Reifentyp nachträglich einzutragen.
Endlosgürtel
Gürtel des Null-Grad-Radialreifens, dessen Fäden auf die Karkasse aufgewickelt werden.
Fabrikatsbindung
Immer häufiger legen Fahrzeughersteller neben der Reifengröße auch die
Reifenfabrikate fest, die für bestimmte Motorradmodelle zulässig sind.
Auf diese Weise wird sichergestellt, dass Reifen und Fahrwerk in der
Praxis miteinander harmonieren. Die entsprechenden Hinweise zu den
zulässigen Reifenmodellen finden sich im Fahrzeugschein bzw. -brief.
Felgenband
Bei Speichenfelgen schutzt ein Felgenband den Schlauch vor Beschädigungen durch die Speichenköpfe.
Freigabe
Für Motorräder werden Reifengrößen und Reifenfabrikate aufgrund eingehender Fahrversuche durch den
Fahrzeughersteller freigegeben. Die Umrüstung darf nur der Hersteller oder ein Kfz-Sachverständiger bestätigen.
Die Karkasse ist das Grundgerüst des Reifens und besteht heute
vorzugsweise aus hochfesten Kunstfasergewebelagen (Rayon, Nylon oder
Kevlar), die an der Wulst jeweils umgeschlagen werden. Als tragendes
Element des Reifenunterbaus ist die Karkasse für die Stabilität eines
Reifens verantwortlich. Je nach Karkassaufbau werden Diagonal-,
Diagonalgürtel- oder Radialreifen unterschieden.
Kennzeichnung
Die auf den Flanken angebrachte Ziffern- und Buchstabenfolge lüftet die
Identität eines Reifens. Neben dem Reifentyp und dem Herstellungsdatum
(DOT-Nummer) werden das Querschnittsverhältnis, die zulässige
Höchstgeschwindigkeit, die Reifenbauart, der Felgendurchmesser und die
maximale Tragfähigkeit ausgewiesen. Hinzu kommen Angaben, ob es sich um
eine Schlauchlos-Typ oder eine Bereifung ohne Schlauch handelt, sowie
ein Pfeil, der die Laufrichtung anzeigt.
Kernreiter
Als Bestandteil der Wulst füllen Kernreiter aus Gummi den durch den
Karkassenumschlag entstandenen Hohlraum aus und verstärken so die
Reifenflanke.
Lagerung
Der ideale Aufbewahrungsort für Reifen ist dunkel, trocken, kühl und
nicht zu stark belüftet. Auf keinen Fall sollten Reifen zusammen mit
Chemikalien, Schmiermitteln oder Treibstoff gelagert werden. Nicht auf
Felgen montierte Reifen sollten stehend gelagert werden.
Latsch
Elliptische ausgeführte Aufstandsfläche des Reifens auf der Fahrbahn.
Lauffläche
Als Lauffläche wird der profilierte Umgangsstreifen bezeichnet, der auf
die Karkasse aufvulkanisiert wird. Die Gummimischung der Lauffläche
entscheidet zusammen mit der Abstimmung der Karkasse über
Abriebfestigkeit und Haftfähigkeit eines Reifens.
Laufrichtung
Ein kleiner Pfeil auf der Reifenflanke zeigt die richtige Laufrichtung an.
Der richtige Luftdruck ist Voraussetzung für ein einwandfreies
Fahrverhalten. Kilometerleistung, Bremsweg oder Kurvenhaftung hängen
auch von einer korrekten Luftfüllung ab. Der Luftdruck - Hinweise
finden sich im Handbuch oder am Motorrad (Schwinge) - wird
grundsätzlich bei kaltem Reifen und am besten wöchentlich gemessen. Zu
hoher Luftdruck beeinträchtigt den Komfort und erhöht den Verschleiß,
zu wenig Luft im Reifen führt zu erhöhter Walkarbeit und Erwärmung.
Reifenschäden können die Folge sein - im schlimmsten Fall eine Ablösung
der aufvulkanisierten Lauffläche.
M/C
Die Signatur weist darauf hin, dass es sich um einen Motorradreifen
handelt. Um eine Verwechslung mit PKW-Reifen zu vermeiden, tragen 13-,
14- und 15-Zoll-Reifen die Kennzeichnung M/C (''Motocycle'').
Matchen
Verdrehen des Reifens auf der Felge während der Montage, um eine
günstige Verteilung der Unwuchtmassen von Reifen und Felge zu erhalten.
MBS-Reifen
Gürtelreifen mit Diagonalkarkasse.
Mischbereifung
Eine Verwendung von Reifen unterschiedlicher Bauart ist erlaubt, sofern dafür eine Freigabe vorliegt.
NHS
Not for Highway Service: Derart gekennzeichnete Reifen haben im Straßenverkehr nichts verloren.
Niederquerschnitt
Moderne Motorradreifen sind heute durchweg
Niederquerschnittskonstruktionen: Die Flankenhöhe fällt kleiner aus als
die Breite der Lauffläche. Das bringt mehr Gummi auf die Straße sowie
größere Stabilität. Ein Reifen der Dimension 120/70 ZR 17
beispielsweise ist 120 mm breit und 84 mm (70 Prozent von 120 mm) hoch.
Ply
Englische Bezeichnung für Lage. Gemeint sind die Gewebelagen im Reifen.
Ply Rating (PR Zahl)
ist eine veraltete Tragfähigkeitskennung von Reifen, die die
Baumwollcord-Lagen im Reifenunterbau angab (8 PR = acht Lagen). Heute
dient sie als Kennzahl der Reifenfestigkeit für unterschiedliche
Fahrzeuggewichte.
(4 PR = 4 Lagen, normale)
(6 PR = 6 Lagen, Reinforced)
Prüfstand
Bei Leistungsmessungen auf Trommelprüfständen können sichtbare und unsichtbare Schäden am Reifen entstehen.
Profiltiefe
Laut StVZO (Straßenverkehrszulassungsordnung) beträgt die
Mindestprofiltiefe von Motorradreifen 1,6 mm. In der Praxis erweist es
sich als sinnvoll, schon vor Erreichen dieses Minimalwertes in einen
Reifenwechsel zu investieren. Gemessen wird die Profiltiefe im
Mittenbereich der Lauffläche.
Radialreifen
Der Trend auf dem Reifenmarkt geht eindeutig in Richtung Radialreifen.
Seine Konstruktion - eine Karkasse mit Fadenverlauf im rechten Winkel
zur Laufrichtung (radial) und zusätzlichen Gürtellagen - steht für
Formstabilität auch bei hohen Geschwindigkeiten. Weniger Gewebelagen
als beim Diagonalreifen bedeuten zudem weniger Walkarbeit und
Wärmeentwicklung. Radialreifen sind durch ein ''R'' gekennzeichnet:
180/55 ZR 17.
Reifenalter
Reifen altern aufgrund chemischer und physikalischer Vorgänge. Ein sachgemäß gelagerter Reifen entspricht
auch nach mehreren Jahren der Spezifikationen eines Neureifen.
Reifenreparaturen
sollten auf grundsätzlich vom Fachmann ausgeführt werden.
Pannensprays sind nur als Notbehelf anzusehen.
Das Einlegen eines Schlauches zum Abdichten eines beschädigten TL-Reifens ist verboten.
Reinforced
Reifen mit verstärktem Aufbau und erhöhter Tragfäigkeit.
Kennzeichnung: reinf.
Die Seitenwand oder auch Flanke eines Motorradreifens ist der
flexibelste Teil der gesamten Konstruktion. Sie muss jedoch zugleich
die Brems- und Beschleunigungskräfte übertragen und deshalb auch eine
ausreichende Steifigkeit besitzen.
Silikat
Silikat (Kieselsäure) sorgt als Bestandteil der Gummimischung für eine
bessere Nasshaftung des Motorradreifens. Darüber hinaus wirkt sich
dieser Stoff positiv auf Laufleistung und Rollwiderstand aus.
TL ist die Kurzform für Tubeless, die Bezeichnung für Schlauchlosreifen.
Tragkraft
Die maximale Tragkraft eines Reifens ist ebenfalls auf der Reifenflanke
vermerkt. Ein Motorradreifen der Dimension 170/60 ZR 17 (73 W) hat
einen Load Index von 73 und damit eine Höchsttragfähigkeit von 365 kg.
TT
TT oder Tube Type besagt, dass es sich um einen Reifen handelt, der mit Schlauch gefahren wird.
TWI
Treadwear Indicator. Kleine Querstege in den Profilrillen, die die
Verschleißgrenze anzeigen, aber nicht bei jedem Reifen mit der
Mindestprofiltiefe übereinstimmen.
Ventilkappe
Niemals ohne: Die fest sitzende Ventilkappe verhindert, dass es bei
hohem Tempo zu plötzlichem Druckverlust kommt, weil die einwirkenden
Fliehkräfte das Ventil öffnen.
Ventilkontermutter
dient als Montagehilfe und muss nach erfolgter Montage wieder gelöst
werden, um kontrollieren zu können, ob der Reifen auf der Felge wandert
(Schiefstellung des Ventils).
Walkarbeit
Durch das periodische Einfedern wird der Reifen verformt. Die
Gewebelagen des Reifenunterbaus reiben aneinander (walken), wodurch
Hitze freigesetzt wird.
Wuchtpunkt
Oft werden die Reifen nach der Produktion gewuchtet und mit einem
farbigen Punkt markiert (rot bei (Metzeler/Pirelli, gelb bei
Bridgestone und Dunlop). Diese Stelle wird als Wuchtpunkt bezeichnet.
Bei der Montage ist der Wuchtpunkt am Ventil - dem schwersten Punkt der
Felge - zu positionieren.
Wulst
Der Reifenwulst, sozusagen der Flankeninnenring, enthält einen oder
mehrere Drahtkerne und sorgt für den sicheren Sitz des Reifens auf der
Felge.